Einblicke



Auf der Flucht

Rhön Verlag: Hünfeld 2002
ISBN: 3-934893-08-2

In dem im 18. Jahrhundert spielenden historischen Roman erleben wir Christoph, den Sohn des erfolgreichen Musikers Melchior Molter, der sein Studium abbricht, fluchtartig Jena verlässt, getrieben von Selbstzweifeln und Zukunftsängsten. Er begibt sich auf dem Weg nach Südthüringen, in die ursprüngliche Heimat seiner Familie. Auf seiner Wanderschaft begegnet er zahlreichen plastisch geschilderten Personen (wie dem sagenumwobenen Rhön-Paulus). Die Erlebnisse und Auseinandersetzungen mit den vielfältigen Lebensformen und -ansichten beeinflussen seinen geistigen und seelischen Reifungsprozess, der ihn schließlich zu einer grundlegenden Daseinsentscheidung führt. Seine ganz besondere Note erhält dieser vielschichtige Entwicklungsroman durch die in Rückblenden erzählte authentische Biografie des Komponisten Johann Melchior Molter (1696 - 1765), dem Vater Christophs. Melchior Molter besuchte in Eisenach das Gymnasium, tritt später in Karlsruhe als Geiger in markgräfliche Dienste und bringt es bis zum Hofkapellmeister.

Aus der Rezension von Andreas Haupt, Glaube und Heimat, Weimar 21.07.2002:

Der Schatten der Berühmtheit
Peter Drescher gelingt es in diesem historischen Roman, psychologische, geschichtliche und gesellschaftliche Vorgänge packend und bis ins Detail zu schildern, so dass es eine Freude ist, sich 250 Jahre zurückzubewegen, um aus Historischem Aktuelles zu gewinnen.




Parole schwarzes Gold

Schkeuditzer Buchverlag: Schkeuditz 2003
ISBN: 3- 935530-22-6

Einige Schüler der Klasse 6b haben es sich in den Kopf gesetzt, Burgdörffel-Nord zu retten. Weshalb das? In der kleinen Bergbausiedlung lässt es sich doch prima leben, und der Wald - ein herrlicher Spielplatz - liegt direkt vor der Nase, mitten im Wald die geheimnisvolle Burg. Aber es droht Unheil! Die Gegend soll in einen riesigen Braunkohlentagebau verwandelt werden, was Abriss der Siedlung und Vertreibung der Bewohner bedeutet. Verzweifelt hecken die Kinder einen Plan aus: Entführung des Werkdirektors...

Aus der Rezension von Klaus Muche, Neues Deutschland, Berlin 26.09.2003:

Parole Kohle
Wenn ein Dorf abgerissen wird, weinen nicht nur die Kinder. Viele Tränen sind schon die Spree und die Neisse heruntergeflossen, haben den Rhein versalzen und die Saale. Die Väter haben Arbeit dafür bekommen, damals wie heut. Fürs Aufreißen der Heimaterde, für den Abriss der eigenen Häuser. Gutes Geld für gute Arbeit. Und? Das Leben ist so. Aber das lässt Drescher die Möglichkeit, in seinem Kinderbuch beide Seiten zu zeigen, eben auch die Tränen, wenn ein Tagebau stillgelegt wird, weil der Aufwand nicht mehr lohnt. Der Autor webt seinen Stoff mit angedeuteten Geschichten. Da wäre der Hauch einer ersten Liebe, da wird ein verfallener Stollen unter der Burg gefunden, da steht die fast beiläufige Frage, ob das Dorf sterben soll, damit die Männer Arbeit haben, oder umgekehrt: Lohnt ein Leben ohne Arbeit?




Die Mühle am Ogowe

Verlag Die Scheune: Dresden 2003
ISBN: 3-931684-86-5

Andreas Fanfara, aus der Elften, bildet sich tatsächlich ein, während des Praktikums im Seniorenheim "Sozial Powern" zu können. Wie einst der Urwalddoktor Albert Schweitzer in seinem Spital am Ogowe. Und was passiert? Füttern, Putzen, Essen austeilen, meckernde Greise. Andy würde am liebsten die Flucht ergreifen, merkt aber, dass er gebraucht wird...

Aus der Rezension von Dr. Astrid van Nahl im Juli-Journal, 2005:

Das Thema, das Peter Drescher aus der Sicht des Schülers Andreas Fanfara abhandelt, ist aktuell für alle Schüler: Ein Berufspraktikum steht an, für alle die erste Begegnung mit der Realität, der erste Schritt aus ihrem behüteten Dasein als Schüler. Während viele den Weg des geringsten Widerstandes gehen und einen Job suchen, der wenig Arbeit und viel Freizeit bietet, träumt Andreas von großen Taten. Albert Schweitzer und sein Spital in Afrika ist sein großes Vorbild, und anderen Menschen zu helfen wird bei Andreas fast zur Besessenheit. So sucht er sich für sein Praktikum eine Tätigkeit im Seniorenheim, wo er die Alten, die Behinderten, die Verwirrten, die Hilflosen betreuen will. Doch um Licht in das Leben anderer zu bringen, reicht nicht allein guter Wille - dass muss Andreas schnell merken. Peter Drescher hat die Erzählung, die man sich gut als Klassenlektüre vorstellen kann, aus dem direkten Blickwinkel des Jungen geschrieben, wodurch der Leser unmittelbaren Zugang zu den Emotionen erhält. Eingeschoben sind Kapitel, die - wiederum in der Ich-Form - geschrieben sind von einer Bewohnerin des Altenheims, einer alternden Schauspielerin. Dieser Kontrast macht das Lesen interessant, relativiert zugleich die Anschauungen und Ziele des Jungen.




Ein besonderer Kirchenbesuch

Verlagshaus Frisch: Eisenach 2004
ISBN: 3-931431-34-7

In den elf Kurzgeschichten wird nicht etwa krampfhaft in ferne Welten ausgewichen. Nein, sie spielen im Hier und Heute. Unterhaltsam, mit Tiefgang, auch mit hintergründigem Humor. Da wird beispielsweise ein Touristenehepaar irrtümlich in eine Kirche eingeschlossen; ein Vierzigjähriger sinniert am Grabe des ehemaligen Pfarrers Rönnicke - einem strengen, autoritären, nicht unfreundlichen Mann, der das Gute wollte und so tragisch endete - über den Glauben; jemand kümmert sich um einen verwahrlosten Alten, der ausgerechnet am Heiligabend aus der Kneipe kommt.

Auszüge aus der Rezension von Annett Wöhler, Freies Wort / Südthüringer Zeitung, Bad Salzungen 09.11.2004

Schnörkelloses für stille Stunden
Die schriftstellerische Stärke Peter Dreschers liegt darin, mit seiner ganz eigenen, warmherzigen, schnörkellosen und kargen Poesie ein lebendiges Bild seiner Gedanken für den Leser entstehen zu lassen, wie beispielsweise in "Nebel im November". In der nur eine Seite kurzen Erzöhlung geht es um schwermütiges Nachsinnen, die Angst vor dem Tod, der Vergänglichkeit. Doch am Schluss ist die Hoffnung da - in Gestalt eines spielenden Mädchens.




Aus! Vorbei!

Machtwortverlag: Dessau 2007
ISBN 978-3-938271-81-0

Horst Wittuleg, der stille Enddreißigjährige, wird von Kopfschmerzen, Schwindel, von "diffusem Unwohlsein" geplagt und landet in der Psychatrie. Hat er einen Gehirntumor? In der Klinik befasst er sich - anfänglich mehr aus purem Abwechslungsbedürfnis .- mit einer Broschüre, in der sein Vater, ehemaliger Sportjournalist, Geschehnisse um einen kleinen Fußballverein niedergeschrieben hat, der konsequent bis in die Oberliga aufsteigt und der dann, am Höhepunkt seiner Karriere, in die Regionalhauptstadt verlagert wird. Das führt zu Irritationen, ja, Ärger, werden dadurch doch Wurzeln gekappt, Identität geraubt. Horst Wittuleg, aus dem Krankenhaus entlassen, will "leben", sich nicht "einigeln". Er organisiert "das Spiel des Jahres": die Asse von einst treten gegen die Jungen von heute an...
Eingebettet in die Gegenwartserzählung sind anrührende, familiäre Begebenheiten sowie Blicke auf einen Landstrich, der ehemals als blühender "Kohle- und Energiebezirk" bezeichnet wurde.

Aus der Rezension von Hugo.J.Bonatti, Palmbaum, Bucha bei Jena, 2. Heft 2007

Ja, die stets mitschwingende "Fußballstory" vom kleinen Kumpelverein, der trotz harten, gemeinen Funktionärsgerangels kein Aus! Vorbei! erlebt, ist wichtig. Aber vieles im Buch liegt sozusagen Schichten tiefer, es schimmert permanent Existentielles durch - in einer übrigens meisterlichen, modern anmutenden Sprache... Man wird bei der Lektüre den Eindruck nicht los, dass hier äußere Staffage für den inneren Weg des Autors steht, sich sozusagen ‚subcutan', ‚unter der Haut', das Ich des Autors verbirgt. Was für Peter Drescher spricht.




Paradies mit Linden

Turmhut-Verlag: Mellrichstadt 2007
ISBN 978-3-936084-22-1

Wie ist es, wenn jemand, der sich nicht gerade als "Mutter-Teresa-Typ" bezeichnet, mehr oder weniger zufällig eine Woche lang eng mit Behinderten zusammen ist, ja, ihnen Vertrauter, Helfer sein soll? Erhard Quadelfang, der unheldische Held entschließt sich - der Chef hat ihn aufgefordert, endlich seinen Resturlaub zu nehmen - zu so einer Sache. Roller und Latscher, Rollstuhlfahrer und Menschen zu Fuß, erleben im Lindenhof gemeinsame Ferien. Müssen miteinander auskommen, vertragen sich oder vertragen sich nicht, schließen Freundschaften...
Tage im Lindenhof - bunt, aufregend, nahe gehend, verzwickt.

Aus der Rezension von Hugo J. Bonatti, Palmbaum, Bucha bei Jena, Heft 2/2008

"Es sind recht schrullige Gestalten, mit denen es Erhard (Hardy) Quadelfang pflegenderweise zu tun hat. Da ist beispielsweise der kleinwüchsige Ingo, der ihm speziell anvertraut ist. Und da sind eine gewisse Frau Herzog, eine dickliche, eher introvertierte Behinderte, und deren Gegenstück, die junge, schnippische Manuela. Und da ist der idealistische, in seinen letzten Motiven jedoch schwer durchschaubare Leiter des ganzen, ein Herr Wuchagiak...
Hardy gelingt es einfach nicht, die Schallmauer, die ihn von den anderen trennt, auf Dauer zu durchbrechen. Er nennt sich im Buch selbst einmal einen 'übriggebliebenen Outsider'.
Paradies mit Linden - vielleicht Dreschers bisher bestes Buch."




Wurzeln schlagen

Edition Winterwork: Grimma 2010
ISBN: 978-3-943-150-17-0

"Es geht einfach darum, über seine Wurzeln nachzudenken", sagt Peter Drescher. "Wenn ich etwa an mich denke: Bin ich ein Vertriebener? Nein. Oder bin ich ein Brandenburger, weil ich da viele Jahre gelebt habe? Oder bin ich doch ein Thüringer, weil ich jetzt da wohne?" Seine Mutter, erzählt der Autor, hat zeitlebens von der Stadt, die damals Oberleutensdorf hieß und auf deren Ortsschildern heute Litvnov steht, als ihrem "Zuhause" gesprochen. Und das, betont Drescher mehrfach, das ist ihm wichtig, obwohl es ihm nicht die Spur um eine Art von Revanchismus oder dergleichen geht.

Im Buch ist der ein wenig verbitterte Vorruheständler Horst Greinersdorf Ich-Erzähler und Hauptfigur.Ihm flattert die Anregung zur Erinnerung als Brief in den Briefkasten. Eine Geburtstagseinladung eines gewissen Jossi, Nachbarsjunge des elterlichen Hauses in Oberleutensdorf/Litvinov. Greinersdorf kannte diesen Jossi nur von der Erzählung der Mutter und einem einzigen Besuch vor mehr als 50 Jahren. Was kann dieser Jossi nur von ihm wollen? Als er versucht, diese Frage für sich zu beantworten, kommen in Horst Greinersdorf viele Erinnerungen wieder hoch. Gute und schlechte.

Frank Hommel in "Freies Wort", Suhl 14.7.2010